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Schraubtagebuch Teil 4 – Die verflixte Zündung

Bild von Walter Keller.

Heute habe ich mir endlich die fünf Minuten Zeit genommen, den zuletzt gekauften Benzinschlauch zu montieren.

Einfach den alten Schlauch entfernt und über die beiden Stutzen an Vergaser und Benzinhahn gezogen, die Schelle fest gezogen und passte… Mein Augenmaß beim Ford-Händler, wo ich letztens zwischen Arbeit und Motorradfahrstunde reingesprungen bin, hat mich also doch nicht im Stich gelassen.

Nach der Montage habe ich den Benzinhahn natürlich wieder aufgedreht, kräftig auf dem Kickstarter herumgetreten und siehe da: Der Motor drehte sich nach einigen Kicks weeeesentlich geschmeidiger als vorher: Benzin und Öl fließen also wohin sie sollen. Allerdings springt der Motor nachwievor nicht an, was mich darauf schließen lässt, dass die Zündung nicht funktioniert.

An diesem Punkt verfluche ich mich, dass ich bei der Demontage des Rollers nicht darauf geachtet habe, die Verkabelung zu markieren / notieren / merken, so kann ich nämlich nicht ausschließen, dass ich einfach etwas falsch in der Lüsterklemme zusammen geschlossen habe. Die Zündung ist für mich sowieso noch ein Buch mit sieben Siegeln, denn es stellen sich folgende Fragen:

  • Wie funktioniert eigentlich der Zündschlüssel an diesem Roller? Das Zündschloss fühlt sich nämlich dermaßen durchgenudelt an, dass nicht wirklich klar ist, ob es nun zwei oder drei Schlüsselstellungen gibt, oder ob es einfach irgendwas dazwischen ist.
  • Ist die Zündkerze nach dem langen Stehen vielleicht einfach hinüber? Und wenn ja: Wie bekomme ich sie ausgetauscht, schließlich mangelt es mir an einem passenden Werkzeug, mit dem ich die Kerze zu packen bekomme und mit den bloßen Händen bekomme ich sie nicht gelöst. Allerdings habe ich auch noch nicht versucht, die Zündkerze nebst Loch und Gewinde mal großzügig mit WD40 zu behandeln, vielleicht könnte das helfen..
  • Wo finde ich eigentlich den Magnetanker, der den Zündstrom erzeugen muss und wie kann ich sicher sein, dass dieser überhaupt seinen Dienst verrichtet?
  • Was ist eigentlich ein Unterbrecherkontakt? Und wie oben: Wo zu finden und wie auf Funktion zu prüfen?

Ich denke, bevor diese Fragen nicht hinreichend geklärt sind, werde ich dem Roller kein Tuckern entlocken können, für Vorschläge, Hilfestellungen, Tipps, Werkzeug, Ersatzteile und Schokolade wäre ich natürlich sehr dankbar.

P.S.: Bei der benötigten Zündkerze handelt es sich übrigens um eine Bosch W7AC. :)

Schraubtagebuch Teil 3 – Remontage

Heute waren wir effektiv und erfolglos zugleich.

Nachdem wir den neuen Benzinhahn am Tank befestigt haben, zeichnete sich schon ab, dass das Gewinde für den Benzinhahn etwas anders ausfällt, als das vom alten Hahn, sodass die abgehende Benzinleitung auf der falschen Seite rauszukommen schien. “Aber egal”, dachten Philipp und ich uns, warfen einige fachmännische Blicke auf Luftfilter und Vergaser, befanden sie bis auf weiteres für gut, scheiterten aber leider beim Ausbau der Zündkerze aus dem Zündkerzenloch.

Also planten wir, wenigstens schonmal den Tank wieder unterm Sitz zu verschrauben und diesen auf dem Rest des Rollers zu befestigen. Dafür mussten wir allerdings erst einmal die beiden Stoßdämpfer austauschen, da die Gummiringe, die normalerweise die Dämpfer vom Fahrgestell entkoppeln sollten, völlig zerbröselt waren (und das meine ich im Wortsinne). Also fix die Bohrmaschine mit Drahtbürstenaufsatz sowie ein paar Ersatzstoßdämpfer ausgepackt, diese vom gröbsten Rost befreit, mit reichlich WD40 behandelt und am Moped befestigt. Funktioniert.

Nun folgte der schwierige Teil, nämlich die Verkabelung zu rekonstruieren, die ich mir beim entkabeln natürlich weder gemerkt noch notiert habe. :) Wir haben also viel gemutmaßt und es am Ende irgendwie so angeschlossen, wie es sinnvoll erschien… Ob die Verkabelung so wirklich funktioniert, werden ich vermutlich nur per Trial & Error herausfinden können.

Als allerletztes wollte ich die Benzinleitung am Hahn befestigen und musste dabei feststellen, dass Letzterer, wie vorher schon vermutet, durch das andere Gewinde auf der falschen Seite rauskommt. “Naja….” dachte ich mir “dann schraubt man den Benzinhahn halt eine halbe Drehung los, das wird schon nichts ausmachen…”. Macht es aber doch. Der Benzinhahn tropfte nach Befüllung des Tanks munter vor sich hin, also entfernte ich kurzerhand die abgehende Benzinleitung, fest davon überzeugt, der Benzinhahn sei zugedreht und durfte feststellen, dass der Gockel definitiv nicht verstopft ist… Im Gegenteil… es floss ein gleichmäßiger Strom Benzin über meine Pfoten, bis Philipp geistesgegenwärtig den Benzinhahn um eine Vierteldrehung drehte und ihn somit verschloss.

Fazit von dieser Schraubsession:

  • Man sollte sich dokumentieren, wie Kabel an Lüsterklemmen angeschlossen waren.
  • Schrauben, die man löst, sollte man zusammen mit ihren Muttern und Unterlegscheiben aufbewahren.
  • Es ist immer gut, eine Bohrmaschine, einen Drahtbürstenaufsatz und ein paar Ersatzstoßdämpfer im Haus zu haben.
  • Es ist noch besser, einen Mitbewohner zu haben, der, wenn es ums Basteln geht, talentierter ist, als man selbst.
  • Wir brauchen eine längere Benzinleitung.
  • Wenn man ein bisschen mit WD40 und Lappen wedelt, stellt man irgendwann fest, dass sich unter dem ganzen Dreck doch tatsächlich ein Roller zu verstecken scheint.

 

 

Schraubtagebuch Teil 2 – Der Benzinhahn

Nachdem ich gestern festgestellt habe, dass Tank und Benzinhahn meiner Zündapp R50 völlig verschmutzt sind und einer Reinigung benötigen, habe ich heute Nachmittag den Innenraum meines Tanks mit Terpentin behandelt, wofür ich von einem Nachbarn und selbererklärten Altmotorenkenner (der mir allerdings nicht glauben wollte, dass die Zündapp R50 ein Zweitakter ist) regelrechte Schelte erntete. Das Terpentin wurde somit nach sowieso mäßigem Erfolg wieder aus dem Tank gespült und der Tank wurde zum Trocknen offen gelassen. Die Innenseite des Tanks sieht zwar immer noch irgendwie grabbelig und voller Schmand aus, aber ich habe den Eindruck, als wären die Ablagerungen dort schon weniger geworden und eventuell gibt es ja Kraftstoffzusätze, die den Ölschlamm irgendwie noch reduzieren können und ich kann mir auch vorstellen, dass sich das Problem reduziert, wenn der Motor erstmal wieder läuft. Allerdings habe ich in dem Zuge auch festgestellt, dass das Innenleben des Tanks doch die eine oder andere rostige Stelle hat… über eine Versiegelung des Innenraums sollte ich also irgendwann mal nachdenken.

Nachdem ich mir nun auch eine Unterstellmöglichkeit bei meinem Hausmeister besorgt habe, der es überhaupt nicht gut fand, dass heute morgen ein halb auseinander gebauter Roller hinterm Haus stand, habe ich die Teile mühevoll in den Keller geschafft und mich im Laufe des Abends nochmal daran begeben, den Benzinhahn vom Tank zu lösen, was mir schlussendlich mit Hilfe einer Rohrzange und gar nicht so viel Aufwand gelang.

Den Benzinhahn habe ich dann nach einer oberflächlichen Reinigung in heißes Seifenwasser eingelegt und einweichen lassen. Zwar konnte ich dem Hahn bei meinem Durchpusttest ein paar müde Blubberblasen entlocken, ich bin jedoch überzeugt, dass das niemals gereicht hätte, um einen Motor anständig zu betreiben.

Zu meinem Glück habe ich dann in meiner Ersatzteilekiste einen Benzinhahn gefunden, der sich nach einigem Schrubben und Durchpusten als brauchbar heraus stellte.

Die beiden guten Stücke liegen nun hier zum Trocknen und morgen werde ich dann wohl einen Blick auf Vergaser und / oder Luftfilter werfen.

Schraubtagebuch Teil 1 – Demontage

Heute habe ich vom Vater meiner Freundin einen alten Roller nebst einem rieeeesigen Berg Ersatzteile abgeholt. Es handelt sich dabei um einen Zündapp R50 aus dem Jahre 1963.

Nun haben Philipp und ich uns heute daran begeben, das Schätzchen wieder in einen lauffähigen Zustand zu bringen. Der erste Versuch bestand natürlich darin, etwa eine Viertelstunde auf dem Kickstarter herumzutreten, um zu dem Schluss zu kommen, dass jenseits des Benzinhahns trotz fast vollem Tank schlicht und einfach nicht ankommt.

Dementsprechend haben wir das Werkzeug ausgepackt und die hintere Karosserie inklusive Tank abgebaut und den Tank (notgedrungen in PET-Flaschen) entleert.

Für Morgen habe ich mir dann vorgenommen, endlich einen Satz Schraubenschlüssel zu kaufen, den Benzinhahn vom Tank abzuschrauben und Tank sowie Benzinhahnvorfilter gründlich zu reinigen. Dann schauen wir mal weiter. :)

Außerdem wird es dann morgen hoffentlich ein paar Fotos von dem mechanischen Schlachtfeld geben.

Das Osterschaf

Wo das Schaf jetzt immer so viele Comics gezeichnet hat, hab ich mich auch mal mit einem Bleistift bewaffnet und ein bisschen gekrakelt… Ist natürlich nicht so schön geworden wie das, was das Schaf immer zaubert, aber mit Flusen kann man ja auch keine Stifte halten. :)

Von Lotus Notes zu MS Exchange migrieren mittels “IBM Domino Access for Microsoft Outlook (DAMO)”

Wer schonmal mit dem Gedanken gespielt hat, sich endlich von seinem Lotus Notes zu trennen und auf einen Exchange-Server als Groupware umzusteigen, wird wie ich mit dem Problem konfrontiert worden sein, wie die Datenmigration möglichst einfach und vollständig von statten gehen soll.

Schließlich möchte man nicht nur Mails migriert haben (das könnte man notfalls per IMAP machen), sondern vor allem auch Kalendereinträge, ToDo’s und ggf. Adressbücher. Technisch gesehen bieten sich da im Grunde nur zwei Lösungen an:

  1. Irgendwie eine Verbindung zwischen Exchange und dem Domino-Server herstellen: Dieses Verfahren wird unter anderem hier beschrieben, birgt aber den den klitzekleinen Nachteil, dass die nötigen Tools nicht mehr angeboten werden oder schon lange nicht mehr weiter entwickelt werden. Die Lösung stellt sich in meinen Augen also als denkbar ungeeignet heraus.
  2. Die zweite Möglichkeit wäre, auf die eine oder andere Art und Weise die .nsf-Datei des zu migrierenden Benutzers in eine .pst-Datei zu konvertieren und so für Outlook lesbar zu machen. Outlook synchronisiert sich dann mit dem Exchange-Server und man ist glücklich. Zu diesem Zweck gibt es zahlreiche kostenpflichtige (die ich an dieser Stelle nicht verlinken möchte, zumal sie mit teilweise mehr als $500 für kleinere Unternehmen meiner Meinung nach exorbitant teuer sind), aber augenscheinlich keine kostenlosen Tools. Eines Besseren belehrt einen IBM selbst, denn das Unternehmen bietet von sich aus den sog. “IBM Domino Access for Microsoft Outlook” (kurz DOMA) an, der es einem ermöglicht, mit Outlook 2007 auf einen beliebigen Domino-Server zuzugreifen.

Auf letzteres möchte ich jetzt ein wenig genauer eingehen, da es offenbar nicht trivial zu sein scheint, an das Tool zu kommen: IBM bietet zwar hier eine Anleitung an, wie an die Software zu kommen ist, man benötigt jedoch zwingend einen gültigen IBM Passport Advantage Account.

Sobald das DOMA heruntergeladen ist, installiert man es dann nur noch auf einem Client-PC, auf dem Outlook 2007 (mit 2010 habe ich es nicht getestet) installiert ist, gibt die nötigen Anmeldeinformationen an und schon holt sich Outlook die nötigen Daten vom Domino-Server. Dazu sei gesagt, dass DOMA offensichtlich nicht wirklich für den produktiven “Ich nutze Outlook mit einem Domino-Server”-Einsatz geeignet ist, da es zu Problem kommen soll, wenn man in Outlook eingetragene Daten an den Domino-Server synchronisiert. Es eignet sich meiner Meinung nach aber wunderbar dazu, eine .pst-Datei zu erzeugen, die man im Anschluss in das entsprechende Outlook-Exchange-Profil importieren kann und die sich dann mit dem Exchange-Server synchronisiert.

Das, was ich hier schreibe, ist zwar weder Hexenwerk noch besonders gehaltreich, da das Prozedere für einen geübten Admin trivial ist, sobald man erstmal darauf gekommen ist, DOMA zu nutzen, um eine .pst-Datei zu erzeugen. Daher aber der Artikel: Man muss drauf kommen.

 

Übrigens:

Einige aufschlussreiche Zeilen zum Produktiveinsatz von DOMA finden sich hier, während hier erläutert wird, wie man bei der Migration von Notes nach Exchange (lässt sich aber auch auf sämtliche anderen Migrationsprozesse im Softwarebereich übertragen) strategisch vorgehen sollte.

ClipUpload – Clipboard sharing made easy!

Jap, so lauten Name und Slogan des Tools, das ich vorhin ausgegraben habe.

Die Anforderungen sahen in etwa folgendermaßen aus: Ich brauchte ein Programm, das es mir ermöglicht, möglichst schnell beliebige Dateien hochzuladen (am liebsten auf meinen eigenen FTP-Server). Die Kür bestand dann daraus, Screenshots von Teilbereichen des Bildschirms zu machen und ebenfalls auf dem FTP zu speichern.

Der Wunsch ist im Grunde folgendermaßen entstanden: Es gibt ja die Cloud-Anwendungs TinyGrab, die es einem eben ermöglicht, Screenshots per zu Keyboard-Shortcut zu erstellen und eben auch auf dem eigenen FTP-Server zu speichern (wenn man die kostenpflichtige Pro-Version nutzt). Ansonsten werden die erstellten Screenshots auf dem TinyGrab-Server abgelegt. Hinzu kommt eine tägliche Uploadbegrenzung von 10 Files, was zwar im Allgemeinen tragbar, aber auch nicht unerreichbar ist. Zwar ist die Pro-Version für günstige £10 zu bekommen, jedoch erfüllt das Tool leider nicht meine Ansprüche, fällt also flach.

Die Alternative aus der Apple-Ecke wäre der Dienst CloudApp bzw. sein Windows-Ableger FluffyApp. Hier hätte man zwar die Möglichkeit gehabt, Dateien sehr unkompliziert hochzuladen (wieder auf den Server des Dienstanbieters), die Möglichkeit des FTP-Uploads fällt hier jedoch komplett weg und eine Aufhebung der Free-Account-Beschränkungen (auch hier wieder 10 Uploads pro Tag) hätte mit 5€ / Monat zu Buche geschlagen, zumal die Windows-Version noch ein wenig instabil und hakelig wirkte.

Nach einer weiteren Google-Suche wurde ich dann schlussendlich mit der OpenSource-Lösung ClipUpload fündig. Das Tool macht genau das, was ich möchte: Es ermöglicht mir, jegliche Daten (seien es nun Bilder, Text- oder Codefragmente oder jegliche sonstige Dateien), die ich zuvor in die Zwischenablage befördert habe, wahlweise auf meinen FTP-Server, bei Bildern auf den Imagehoster imgur und bei Textfragmenten sogar bei Pastebin hochzuladen und kopiert den Link zur Datei netterweise sogar in die Zwischenablage. Hinzu kommt das nette Kür-Feature, mit dem ich Screenshots von Bildschirmbereichen erstellen und ebenfalls hochladen kann. Was man bei dem Tool leider vergeblich sucht, ist eine Möglichkeit, Keyboard-Shortcuts für den Upload zu definieren, der Zugriff über das Systray ist allerdings ähnlich komfortabel. Das Programm erfordert dabei das .NET Framework 4 und ist somit leider auf Windows beschränkt, dafür aber ein OpenSource-Projekt.

An Education – Komischer Film, toller Soundtrack

Vorhin habe ich mir eine Filmempfehlung von Schafi angetan und frage mich, ob ich für diese Art Film einfach nicht die nötige Sensibilität habe, oder sich die Kritiker der Welt schlichtweg irren. Ich tendiere natürlich zu Letzterem. :)

 

Die Handlung in Kürze: England der 60er Jahre. Das 16-Jährige Schulmädchen Jenny (Njom: Carey Mulligan) ist nicht nur eine herausragende Schülerin, nein, sie möchte auch noch eine erstklassige Studentin werden und sich für Oxford qualifizieren. Oder zumindest möchte ihr Vater das, denn von ihm geht ein großer Teil des nötigen Drucks aus, der sie fleißig Latein, Englisch und Französisch pauken lässt. Doch nach einer ihrer Cello-Stunden tritt der jüdische Lebemann David (Charming: Peter Sarsgaard) in ihr Leben, bringt sie kurzer Hand nach Hause und beginnt sie (und gewissermaßen auch ihre Eltern) zu umwerben. Durch seinen guten Stand bei ihren Eltern (sie glauben fälschlicherweise, er wäre auch in Oxford gewesen und riechen den Duft des Geldes an ihm) ermöglicht er ihr Liebhaber Jenny zahlreiche neue Freiheiten und führt sie ein in die Welt der Jazzbars, Kunstauktionen, Hunderennen und fliegt mir ihr schlussendlich in das von ihr heiß geliebte Paris. Spätestens hier muss der geneigte Zuschauer misstrauisch werden und sich denken: “Okay! Er ist gutaussehend, wohlhabend, kultiviert und Anfang 30. Wo ist der Haken???”

Dieser Gedanke wird natürlich bestätigt: Irgendwas ist nicht ganz koscher an David, verdient er doch sein Geld auf Kosten anderer: Er vermittelt Wohnungen an Einwanderer, senkt dadurch die Attraktivität der Gegend und kauft freiwerdende Wohnungen für’n Appel und’n Ei auf! “Diabolisch!” denkt sich vermutlich auch Jenny und will ihn eigentlich verlassen, kommt jedoch schnell genug zur Besinnung, als David ihr erklärt, dass das schöne Leben leider nicht an Bäumen wächst.

Schlussendlich möchte er Jenny sogar heiraten, sie nimmt den Antrag an, lässt dafür Oxford sausen (was die Eltern witzigerweise nicht stört, waren sie doch vorher so versessen darauf) und lässt die Hochzeit am Ende doch platzen, als sie feststellt, dass ihr Zukünftiger in Wahrheit schon verheiratet ist! Statt sich etwas Pfiffiges auszudenken um alles irgendwie klar zu stellen, zieht er den Schwanz ein und haut ab, während sie den Entschluss fasst, jetzt doch wieder nach Oxford gehen zu wollen (was sie natürlich schafft, er hätt’s gedacht).

 

Die Story hielt ich gelinde gesagt für Mumpitz. Naives Mädchen trifft auf älteren, gutaussenden, reichen, kultivierten, usw. usf. und fliegt am Ende doch auf die Schnauze nur um festzustellen, dass “eigene” (bzw. die der eigenen Eltern) Ziele sowie harte Arbeit  viel toller sind, ist – vorweg erwähnt – ein komplett ausgelutschtes Motiv. Darüber hinaus war die Handlung um David und Jenny weitestgehend geradlinig und geradezu aus dem Lehrbuch eines schlechten Drehbuchschreibers: Einführung der Charaktere -> Alles toll, alles gut -> Erster, kleiner Rückschlag -> Wieder alles toll -> PENG! -> Moral und Vorhang, Applaus bitte. Während der ersten “Alles toll, alles gut”-Phase stand für mich als Zuschauer nichtmal die Frage im Raum, ob etwas Tragisches passiert, sondern nur, was und wann. Unerwartete Wendungen ließ der Film gänzlich missen.

Das Einzige, was einen ununterbrochen zu grübeln gab, war das vollkommen idiotische Verhalten von Jennys Eltern: Anstatt sich (wie der geneigte Zuschauer) zu fragen, ob an dem etwa doppelt so alten Liebhaber der Tochter vielleicht irgendein Haken sein könnte und der eigenen Tochter zur Vorsicht zu mahnen, wird er mit einer Herzlichkeit in die Familie aufgenommen, die überwältigend ist – ja geradezu adoptiert. David schäkert ein wenig hier, erzählt da nen Witz und verteilt ab und zu mal nen Handkuss an die Herrin des Hauses und schon genießt er komplette Narrenfreiheit, die soweit geht, dass die einzige Tochter wegen ihrem Liebhaber in der Schule komplett abrutschen darf, ohne zu Hause Konsequenzen fürchten zu müssen und in letzter Instanz sogar das Ziel “Oxford” ganz von ihrer ToDo-Liste streichen darf. Leute, wo sind denn eure Ideale und Ziele plötzlich hin???

Im Gegensatz zu den beiden pädagogischen Nullnummern von Eltern geben die beiden Freunde von David (die minderbemittelte Blondine Helen und der kleine Snob Danny) eine passable Figur als Charaktere ab und können gut zusammen unterhalten.

Wirklich überzeugend ist dagegen das Spiel der beiden Protagonistendarsteller: Carey Mulligan spielt die Jenny ausgezeichnet sensibel und meistert wunderbar die Gratwanderung zwischen scharfer Intelligenz und jugendlicher Naivität, während Peter Sarsgaard seinen Charakter mit einer dermaßen unverschämten Charmanz ausstaffiert, dass man sich immer wieder während des Films denkt: “Hrm… aber der Typ ist doch so NETT… der KANN nicht “böse” sein.”

 

Alles in allem trotzdem ein Film, den man meiner Meinung nach nicht geschaut haben muss.

 

P.S.: Jetzt steht’s schon in der Überschrift, da muss ich es auch in der Rezension erwähnen: Die Musik des Films ist größtenteils extrem angenehm jazzig… dafür gibt’s eine Bonussocke (auch wenn das den Film nicht rettet: Wenn ich Jazz hören möchte, schmeiße ich Etta James an).

Gründe, Klaus Rainer Röhl nicht zu mögen…

Meine Großmutter hat ja einen überraschend grandiosen Griff, was Buchgeschenke für mich angeht. Dieses Jahr hat sie mir ein Buch von Ralph Giordano geschenkt, den ich wegen seiner antiislamischen Ansichten kurz davor zerrissen habe und letztes Jahr bekam ich von ihr Klaus Rainer Röhls “Mein langer Marsch durch die Illusionen”, das ich aber erst heute aus dem Regal hervor gekramt habe. Ich war ja von Anfang an skeptisch: Der frühere Ehemann von Ulrike Meinhof und konkret-Gründer (!!!) schreibt kritisch über sein “Leben mit Hitler, der DKP, den 68ern, der RAF und Ulrike Meinhof”. Kritik linker Organisationen und deren Handlungsweisen… gerne, aber was bewegt ihn überhaupt dazu, diese kritische Auseinandersetzung zu suchen?

Naja… ich habe mir angewöhnt, vor dem Lesen eines politischen Buchs erstmal etwas über den Schinken heraus zu finden. Damit meine ich nicht unbedingt den Inhalt oder irgendwelche Kritiken, schließlich ist das alles irgendwo Ansichts- und Interpretationssache, sondern eher die Frage, in welchem Dunstkreis das Werk entstanden und erschienen ist, also recherchiere ich über den Autor und den Verlag und das hat folgendes ergeben:

  • Klaus Rainer Röhl gehört nach seiner politischen Kehrtwende nicht nur der FDP an (das ist ja noch verzeihlich, wenn auch unschön), sondern engagiert sich außerdem für nationalliberalen Flügel der Partei, der sich wiederum (unter anderem natürlich) um den Juristen Alexander von Stahl (WAS für ein Name) formiert. Dieser für seinen Teil vertrat die Junge Freiheit bei einer Verfassungsbeschwerde, weil der Verfassungsschutz NRW das Blatt als rechtsextremistisch eingestuft hat. Von Politikwissenschaftlern wird die Junge Freiheit zumindest zur Neuen Rechten gezählt.
  • Derzeit schreibt Röhl für das Wochenblatt Preußische Allgemeine Zeitung, das sich selbst als “wertkonservativ” bezeichnet und ebenfalls zur Neuen Rechten gezählt wird.
  • Darüber wirft seine Tochter Anja Röhl dem Autor vor (Stern-Artikel mit bunten Bildern), sie in Kindertagen sexuell missbraucht zu haben und für mich sind keine Gründe ersichtlich, ihren Anschuldigungen keinen Glauben zu schenken.
  • Zu guter Letzt wird der Universitas-Verlag, in dem Röhls Buch erschienen ist, von Wikipedia als neofaschistisch bezeichnet, zumindest aber steht der Verleger Herbert Fleissner der rechtsextremen Publizistik nicht fern.

 

Naja… nach dieser Recherche ist das Buch dann im Altpapier gelandet und das ist noch der gnädigere Weg der Entsorgung… Mir wurde die Verwendung als Klopapier vorgeschlagen, aber das bringe ich dann doch nicht über mein bücherliebendes Herz.

Europas letzte Diktatur

Vorgestern, am Sonntag den 19.12.2010, fand die diesjährige Präsidentschaftswahl Weißrusslands statt, die dem amtierenden Präsidenten die vierte Amtszeit zusichern sollte und dies auch tat. Erschreckend sind dabei die Ergebnisse, die einen an DDR-Zeiten zurück denken lassen: Von den fast 93% der weißrussischen Bevölkerung , die an der Wahl beteiligt waren, haben ganze 79,67% für den Präsidenten Lukaschenko gestimmt – zumindest auf dem Papier – während der nächste oppositionelle Kandidat vernichtende 2,56% der Stimmen erhielt.

Nun kann man ja sagen, dass eindeutige Ergebnisse und eine so hohe Wahlbeteiligung etwas sind, was man sich in der deutschen Demokratie ja nur wünschen könnte, vor dem Hintergrund, dass Lukaschenko nicht etwa ein sehr beliebter Politiker, sondern ein ausgemachter Despot ist, erhalten diese Zahlen einen mehr als bitteren Beigeschmack.

Das Ganze wurde spätestens mit den Ereignissen und Aussagen Lukaschenkos vor, während und nach der Wahl erschreckend: Regierungsgegner sowie gegnerische Kandidaten wurden im Zuge von illegalisierten Demonstrationen von Sicherheitskräften zusammen geschlagen und festgenommen. Hinzukommend sollen zahlreiche kritische Journalisten verfolgt und festgenommen worden sein, was sich durch die Aussagen, die Lukaschenko nach der Wahl traf, bestätigt:

So heißt es in der Financial Times Deutschland, Lukaschenko habe gesagt, dass “das Verhöhnen der Behörden [...] ein Ende haben” und jeder Reporter für sein Wort geradestehen müsse. Darüber hinaus ließ der Präsident gegenüber Journalisten in Minsk verlauten, man ließe alle Regierungsgegner einsperren.

Schlussendlich verspielt sich Lukaschenko nicht nur die Chancen auf Fördergelder von der EU, auf die er dank erneute Annäherungen an Russland nicht mehr angewiesen zu sein scheint, sondern zeigt anschaulich, dass problematische politische Systeme nicht etwa nur am Arsch der Welt (respektive Hindukusch, der ja zwecks “Befreiung” seit Jahr und Tag von internationalen Truppenverbänden belagert wird), sondern direkt vor der eigenen Haustür zu suchen sind.

Dass keiner auch nur im Entferntesten auf die Idee kommt, in Weißrussland mit Waffengewalt das “Licht der Demokratie” zu verbreiten, ist mangels Erdöl augenfällig. Statt dessen bleibt einem nichts anderes übrig, als die weißrussische Opposition in ihren Reform- und Revolutionsbemühungen zu bestärken und seine Solidarität mit den dort drangsalierten Journalisten und Regierungsgegner zu bekunden.

[Update]: Inzwischen ist man in Weißrussland so weit, die Auflösung der oppositionellen Parteien in Erwägung zu ziehen. Begründung:

“Wenn sich eine Partei oder eine gesellschaftliche Vereinigung für die Teilnahme an den Massenkrawallen entschieden hat, werden wir ihre Auflösung ins Gespräch bringen.”

Na super: Wer der ersten Bürgerpflicht, nämlich dem Widerstand gegen eine kranke und Freiheit raubende Regierung leisten, folgt, wird nicht nur zusammen geschlagen, verhaftet und zensiert, sondern darf auch damit rechnen, seiner Parteistrukturen beraubt zu werden. So kann man Regierungsgegner auch mundtot machen.